Drei Bearbeitungen kann KI heute besonders gut: den Hintergrund entfernen, störende Objekte wegradieren und ein Bild über den Rand hinaus erweitern. Kostenlos klappt das direkt auf dem Handy mit Google Fotos oder der Fotos-App des iPhones (Bereinigen), am Rechner mit Canva, Gemini, ChatGPT oder Photoroom.
Die Tools unterscheiden sich weniger in der Qualität als in der Methode. Manche ändern nur die Stelle, die du markierst. Andere, vor allem Chat-Assistenten wie ChatGPT und Gemini, erzeugen das ganze Bild neu, auch wenn du nur eine Kleinigkeit ändern willst. Genau dieser Unterschied entscheidet, ob ein Gesicht nach der Bearbeitung noch nach dir aussieht.
Schritt für Schritt: ein störendes Objekt auf dem Handy entfernen
Das häufigste Beispiel: ein fremder Mensch im Hintergrund deines Urlaubsfotos, ein Mülleimer neben dem Produkt oder ein Kabel quer über der Wand. So geht es in Google Fotos mit dem Magischen Editor:
- Öffne die Google-Fotos-App und tippe auf das Foto.
- Tippe unten auf Bearbeiten.
- Wähle den Magischen Editor. Das Symbol sieht aus wie ein Foto mit Funkeln.
- Kreise das störende Objekt mit dem Finger ein oder tippe es an. Die App markiert es.
- Wähle Löschen und lass die KI die Lücke füllen.
- Du bekommst mehrere Varianten. Wische durch und nimm die natürlichste.
- Tippe auf Fertig und speichere das Ergebnis als Kopie, damit das Original erhalten bleibt.
Für kleine Korrekturen gibt es in Google Fotos zusätzlich den Magischen Radierer. Google selbst empfiehlt ihn für kleinere Störungen und den Magischen Editor für größere Bereiche.
Auf dem iPhone: Bereinigen
Auf iPhones mit Apple Intelligence heißt die Funktion Bereinigen. Sie ist seit iOS 18.4 auch auf Deutsch in der Fotos-App verfügbar. Öffne das Foto, tippe auf Bearbeiten und dann auf das Radiergummi-Symbol. Tippe das Objekt an, kreise es ein oder nimm einen der Vorschläge, die das iPhone selbst markiert. Ob dein Modell Apple Intelligence unterstützt, siehst du in den Einstellungen.
Auf Samsung-Handys gibt es eine ähnliche KI-Funktion im Galerie-Editor. Wenn ein Menüpunkt bei dir anders heißt, such in den Einstellungen oder im Bearbeiten-Menü der App nach dem Wort "Radierer" oder "KI".
Acht Werkzeuge für KI-Bildbearbeitung
In keiner bestimmten Reihenfolge, je eine Zeile, wofür sich das Tool eignet:
- Google Fotos: gut für schnelle Retuschen direkt in der Galerie auf Android und iPhone.
- Adobe Photoshop / Firefly (Generative Fill): gut für präzise Arbeit mit Auswahl und Ebenen.
- Canva Magic Edit: gut, wenn das bearbeitete Bild gleich in ein Design wandern soll.
- Google Gemini: gut für Änderungen per Satz, etwa "mach den Himmel abendlich".
- ChatGPT: gut für kreative Umgestaltung und Stilwechsel per Chat.
- Picsart: gut für Social-Media-Bearbeitung mit vielen Effekten am Handy.
- Photoroom: gut für Produktfotos mit sauberem Hintergrund für Shops.
- Pixlr: gut als Browser-Editor ohne Installation.
Eine längere Liste mit Bewertungen findest du in meinem Vergleich der KI-Fotoeditoren (auf Englisch).
Welche Aufgabe, welches Werkzeug?
| Aufgabe | Schnell und kostenlos | Wenn es präzise sein muss |
|---|---|---|
| Hintergrund entfernen | Photoroom, Canva, Picsart | Photoshop mit Auswahl |
| Objekt oder Person wegradieren | Google Fotos, iPhone Bereinigen | Photoshop Generative Fill |
| Bild erweitern (Format ändern) | Canva, Google Fotos Magischer Editor | Photoshop mit erweiterter Arbeitsfläche |
| Himmel, Licht oder Stimmung ändern | Gemini, ChatGPT | Photoshop oder Firefly mit Maske |
| Produkt freistellen für den Shop | Photoroom | Photoshop |
| Altes Foto aufhellen oder schärfen | Google Fotos, Picsart | Photoshop |
Meine Faustregel aus der Tabelle: Für ein Foto, das nur auf Instagram oder in den Familien-Chat geht, reicht das Handy. Für Produktfotos, die verkaufen sollen, lohnt sich ein Werkzeug mit Auswahl und Maske.
Bild erweitern: aus Hochformat wird Querformat
Die dritte Stärke von KI wird am meisten unterschätzt. Du hast ein schönes Hochformat-Foto, brauchst aber ein Querformat für den Blog-Header oder das Facebook-Titelbild. Früher hieß das: zuschneiden und Kopf abschneiden. Heute malt die KI die fehlenden Ränder dazu.
- Lade das Foto in Canva, Photoshop oder einen anderen Editor mit Erweitern-Funktion.
- Ziehe die Arbeitsfläche auf das neue Format, etwa breiter für einen Header.
- Lass die leeren Ränder von der KI füllen. In Photoshop markierst du dafür die leere Fläche und nutzt Generative Fill ohne Prompt oder mit einem kurzen Hinweis wie "mehr Strand".
- Prüfe die Ränder genau: Wiederholte Muster, doppelte Fenster oder verbogene Linien sind typische Fehler.
- Wenn der Rand nicht passt, generiere nur den Rand neu, nicht das ganze Bild.
Je ruhiger der Hintergrund, desto besser klappt das. Himmel, Wiese, Wand und Strand sind leicht. Menschenmengen, Schrift und Gebäude mit vielen Linien sind schwer. Wer neben ChatGPT andere Assistenten mit Bildfunktion ausprobieren will, findet sie in meiner Übersicht der ChatGPT-Alternativen.
Wenn das Gesicht sich verändert
Der Haken, über den kaum jemand spricht: Wenn du ein Foto in einen Chat-Assistenten wie ChatGPT oder Gemini lädst und sagst "entferne nur den Mann im Hintergrund", bearbeitet die KI oft nicht nur diese Stelle. Sie erzeugt das Bild neu. Dabei verändern sich gern Gesichter, Hände, Haare und Schrift, manchmal kaum sichtbar, manchmal so, dass deine Tante plötzlich anders aussieht.
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So vermeidest du das:
- Nutze für Fotos mit Menschen ein Werkzeug, das nur die markierte Stelle ändert: den Magischen Editor, Bereinigen oder Generative Fill in Photoshop mit einer Auswahl.
- Markiere so knapp wie möglich. Je größer die Fläche, desto mehr erfindet die KI.
- Vergleiche Vorher und Nachher in voller Größe, vor allem Augen, Zähne und Hände.
- Behalte immer das Original. Speichere Ergebnisse als Kopie.
- Bearbeite keine Fotos von anderen Menschen so, dass sie etwas zu tun scheinen, was nie passiert ist. Bei Fotos mit erkennbaren Personen gilt: erst fragen.
Wenn du kreativ werden und ein Bild bewusst neu gestalten willst, ist der Chat-Weg dagegen ideal. Wie das in ChatGPT funktioniert, steht in meiner Anleitung Bilder mit ChatGPT erstellen.
Ein Wort zu Privatsphäre
Google Fotos und die iPhone-Fotos-App bearbeiten deine Bilder in deinem eigenen Konto. Online-Editoren laden das Foto dagegen auf fremde Server. Lies bei Bildern von Kindern, Kundinnen oder Ausweisdokumenten vorher die Datenschutzhinweise oder lass sie ganz weg. Für Firmenfotos lohnt sich ein Tool, das klar sagt, ob Uploads zum Training genutzt werden.
Du entwickelst ein Tool für KI-Bildbearbeitung? So kommt es auf diese Liste (auf Englisch).
Mein Fazit
Ich würde zuerst die Funktion nehmen, die schon auf deinem Handy ist, also Magischer Editor oder Bereinigen, und erst für Produktfotos zu Photoroom oder Photoshop greifen. Bei Fotos mit Gesichtern bleibe ich bei Werkzeugen, die nur die markierte Stelle ändern.
Häufige Fragen
Kann ich Bilder mit KI kostenlos bearbeiten?
Ja. Google Fotos, die iPhone-Fotos-App mit Bereinigen, Canva, Gemini und ChatGPT bieten kostenlose KI-Bearbeitung an, jeweils mit Grenzen beim Umfang. Manche Funktionen hängen vom Handy-Modell oder einem Abo ab.
Warum sieht das Gesicht nach der KI-Bearbeitung anders aus?
Chat-Assistenten erzeugen das Bild oft komplett neu, statt nur eine Stelle zu ändern. Nutze für Fotos mit Menschen ein Werkzeug mit Auswahl oder Markierung, das nur den markierten Bereich bearbeitet.
Wo finde ich Bereinigen auf dem iPhone?
Öffne das Foto in der Fotos-App, tippe auf Bearbeiten und dann auf das Radiergummi-Symbol. Die Funktion gehört zu Apple Intelligence und läuft nur auf Modellen, die das unterstützen.
Wie entferne ich den Hintergrund mit KI?
Am schnellsten mit Photoroom, Canva oder Picsart: Foto hochladen, Hintergrund entfernen wählen, Ergebnis prüfen und speichern. Für knifflige Kanten wie Haare ist eine Auswahl in Photoshop genauer.


